Neue Ausbildungsvikarin: Lea Schweitzer

Vom Jakobsweg zum Theologiestudium. Die evangelische Kirche hat eine neue Vikarin: Lea Schweizer. Am Sonntag wird sie vorgestellt. Bericht von Marius Venturiniin der KWZ vom 4.10. 2014

Vom Jakobsweg zum Theologiestudium. Die evangelische Kirche hat eine neue Vikarin: Lea Schweizer. Am Sonntag wird sie vorgestellt. Bericht von Marius Venturiniin der KWZ vom 4.10. 2014

Wandern ist bis vor wenigen Jahren eigentlich gar nicht das Ding von Lea Schweizer gewesen. 'Dann bin ich aber auf den Jakobsweg gegangen', sagt die heute 28-Jährige. Das habe schließlich auch den Ausschlag gegeben, ein Theologie-Studium zu beginnen. 'Dort trifft man Menschen, die viele Dinge mit sich herumtragen. Es gibt Begegnungen, bei denen man merkt, worum es im Leben wirklich geht', sagt die neue Vikarin der evangelischen Kirchengemeinde, die am morgigen Sonntag, 5. Oktober, in der Kornwestheimer Johanneskirche in ihr Amt eingeführt wird.
Das Grundvertrauen in Gott hat Lea Schweizer also auf dem Jakobsweg gefunden. Doch die Theologie war nicht das erste Studium, dem sich Lea Schweizer zugewandt hat. Zuvor widmete sie sich für zwei Semester der Tiermedizin. In Hannover war das. 'Ich habe mich aber nie in dem Beruf gesehen, in einem Labor', sagt sie. Vielmehr habe damals den Ausschlag gegeben: 'Ich mag Tiere und ich bin gut in Naturwissenschaften.' Dass die Frau mit den strahlend roten Haaren ein Herz für Vierbeiner hat, weiß auch ihre Katze Granny, die mit nach Kornwestheim gezogen ist. 'Sie fand's zwar anfangs nicht so toll, aber das wird schon', sagt Lea Schweizer, die im kleinen Dorf Hepsisau am Rande der Schwäbischen Alb aufgewachsen ist.
Seit gut einer Woche lebt sie nun in Kornwestheim. Gesehen hat sie bisher noch nicht wirklich viel von der Stadt. 'Den Baumarkt, die Stuttgarter Straße, die Ludwig-Herr-Straße, das Hallenbad. . .', zählt sie auf. Ohnehin sieht sie sich hier zuallererst als Lernende - wie auch im Studium. In Tübingen sei durch die ganzen Sprachen anfangs alles recht 'verschult' gewesen, erinnert sie sich. Es folgte ein Jahr im schottischen Glasgow. 'Das war richtig gut, auch, weil die Fakultät dort konfessionell gemischt war.' Weiter ging's in Marburg. Dort habe sie endgültig bemerkt, 'wie sehr die Texte mit dem wirklichen Leben zu tun haben. Und schließlich, wieder zurück in Tübingen, hatte ich meinen Zugang endgültig gefunden.'
Nun geht, nach sieben Jahren Theorie, für Lea Schweizer das Lernen in Kornwestheim weiter. 'Die Praxis ist ganz anders', sagt sie. Dazu gehöre selbstverständlich die Begegnung mit den Menschen, bei der sie ihre eigene Sicht mitbringen möchte. Dass sich in Kornwestheim mehrere Pfarrer die Kirchengemeinde teilen, findet sie sehr interessant. 'Dadurch muss auch mal über den Tellerrand hinausschauen und im Team arbeiten.' Jeder könne seine Stärken und Begabungen mit einbringen und das, woran ihm persönlich das Herz hängt. 'Ich glaube, das funktioniert hier sehr gut.'
Zweieinhalb Jahre wird sie in Kornwestheim bleiben. 'Ich habe mich darüber gefreut, dass ich hier gelandet bin', sagt sie, 'denn es ist in der Nähe von Stuttgart, außerdem muss mein Mann noch zum Studium nach Tübingen pendeln.' Zwar fehle noch das ein oder andere - in der neuen Wohnung hat sie zum Beispiel noch kein Internet -, das sei aber nicht so schlimm. 'Ich finde mich hier auch mit einem ganz normalen Stadtplan zurecht, dafür brauche ich kein Google Maps.'
Zu Beginn ihrer Kornwestheimer Zeit wird Lea Schweizer zunächst in einigen Schulen unterwegs sein. 'Zunächst in Ludwigsburg an einer Realschule oder an einem Gymnasium, danach an einer Kornwestheimer Grundschule', sagt sie. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lerne man, die Dinge auf das Wesentliche herunterzubrechen. Außerdem werde man sich dabei seiner Stärken und Schwächen bewusst.
Und das Wandern? Das ist mittlerweile - nach dem Gang auf dem Jakobsweg - zu einem der größten Hobbys der 28-Jährigen geworden. 'Am liebsten in den Alpen oder in Schottland', sagt sie. Außerdem verbringt sie ihre Freizeit gerne mit Rad fahren, lesen und klettern.